3. Mai 2018

Ohne Kritikfähigkeit keine Weiterentwicklung

In Esens haben Medaillen nur eine Seite. Egal was da fabriziert wird, sind Lobhudeleien allgegenwärtig. Seitdem der Anzeiger auch noch Vermieter des städtischen Tourismus ist, liest man in der täglichen Kolumne so gut wie nichts Negatives mehr. Obwohl in Esens jetzt schon seit fast zehn (10!) Jahren immer wieder Notprogramme an der Tagesordnung sind, verkündet die Bürgermeisterin bei verschiedensten Veranstaltungen unermüdlich ausschließlich „Frohe Botschaften“ und lobt die gute Zusammenarbeit der Stadt mit den Verantwortlichen „Machern“ in Rat und Gemeinde.

Wie sieht das eigentlich die Bevölkerung unserer Stadt? Liegt das in ihrem Interesse oder hat sie bereits resigniert? Wiegen „gute Bekanntschaften“ mehr als die Fragen nach den Ursachen und damit nach den Personen für eine falsche Politik? 

Wie überall gibt es auch in Esens Stimmen, die genau „wissen“, dass der amerikanische Präsident Donald Trump eine „Fehlbesetzung“ ist. Freilich eine nicht bewiesene Aussage! Was ist aber mit den „Trumps“ in Esens, bei denen das schon bewiesen ist? Wer hat denn in 2011 den damaligen Kurvereinsvorsitzenden gestürzt, den Posten selbst übernommen und dann den Kurverein in die Pleite geführt? Wer waren seine Helfer, von denen heute noch einige  im Stadtrat sitzen und als Mehrheitsfraktion so weiter machen, als wenn es kein Halten gäbe? Was macht eigentlich die nicht vorhandene „Opposition“?

Nach den Themen Entlastungsstraße und Haushalt widmen wir uns heute dem Thema Tourismus.

Der Esenser Tourismus in Bensersiel wird zurzeit mit etwa zwei Millionen Euro subventioniert, Geld, für das in diesem Bereich erst einmal nicht gearbeitet werden muss. Dazu kommt die Sicherheit in der Führungsetage, dass die Esenser Steuerzahler regelmäßig die entstehenden Verluste ausgleichen. Auch dadurch wird der Antrieb, ein Plus zu erwirtschaften, nicht gerade gestärkt. Der „gute Weg“, den die Bürgermeisterin propagiert sieht auch dem entsprechend aus. Laut eigener Vorhersagen geht man davon aus, dass erstmals in 2021 mit einem Plus von (nur) 41.000,- Euro gerechnet wird (Unsere Anmerkung: Wenn der Campingplatz, der die meisten Einnahmen generiert, nicht von einer Sturmflut heimgesucht wird!). Der Schuldenstand des Tourismus verharrt dann weiter auf dem Niveau von ca. zehn (10!) Millionen Euro. Auch in der Haushaltsrede der SPD- Fraktion ist der „gute Weg“ gekennzeichnet. Der Sprecher erklärte, es sei erfreulich, dass sich der Verlustausgleich durch die Stadt (in 2017 ca. 345.000,- Euro) in 2018 „deutlich zurückgehe“. Das basiert jedoch nur auf einer Prognose.  Er verheimlicht jedoch, dass die Fremdenverkehrsabgabe an den Tourismus um 80.000,- Euro (also eine weitere Subventionierung) erhöht wird.  Dieser Trick, rechte Tasche linke Tasche, ist ein Beleg dafür, wie die Öffentlichkeit bewusst falsch informiert, also hinters Licht geführt wird. Wer hat eigentlich das vorliegende Zahlenwerk aufgestellt? Nach unserer Information ist der Geschäftsführer von TEB und gleichzeitig GmbH „kein Zahlenmensch“, der jetzt eine entsprechende Stelle ausgeschrieben hat. Vielleicht finanziert man das ja mit den erhofften Parkgebühren am 40.000,- Euro- Parkplatz am Strandportal.

Da ist noch der Tourismus in der Stadt. Nach der Weitergabe von 300.000,- Euro der Fremdenverkehrsabgabe nach Bensersiel, verbleiben geplant 120.000,- Euro bei der Stadt. Der Fremdenverkehr in der Stadt, zu dem wir auch das Stadtmanagement zählen, kostet ca. 153.000,- Euro. Ob sich diese Differenz bei der Gewerbesteuer ausgleicht, ist wohl nicht zu belegen. Sicher ist jedoch, dass dem Rat der Stadt keinerlei Rechenschaft über die Effektivität des finanziellen Einsatzes gezollt wird. Bemerkenswert ist, dass die nicht genutzten Arkaden mit kosten von 11.000,- Euro zu Buche schlagen. Darüber, ob das Stadtmanagement den wirtschaftlichen und kulturellen und touristischen Erfordernissen der Stadt entspricht, muss sich jeder Bürger seine eigene Meinung bilden. Wir glauben: Nein!

Betrachten wir noch den Kurverein Esens- Bensersiel mit Rückblick auf die letzten Veröffentlichungen. Auch hier nur Optimismus, keine Spur von realistischer Selbsteinschätzung. Die aktuelle Mitgliederzahl wird mit 350 angegeben. Es waren einmal über 800(!) Der Vorsitzende begrüßte 19(!) Anwesende incl. Bürgermeisterin, Vertreter der AEU, Vertreter Bensersiel-aktiv, Geschäftsführer TEB und ein Referent zum Thema „Bensersiel historisch“. Sage und schreib 12(!) Mitglieder haben sich qualifizieren lassen. Aussagen wie: Die Entlastungsstraße sei wichtig, man hoffe, der Zaun am Hotel Vier Jahreszeiten verschwinde bald und die Infrastruktur vor dem Deich werde sehr positiv gesehen und die Aktivitäten von Bensersiel aktiv seien zu loben, waren die Kernaussagen des Vorsitzenden. Bemerkenswert waren die Äußerungen des Vorsitzenden von Bensersiel aktiv bezüglich des eigenen Neujahrsempfangs, der eine klare Trennung von Stadt und Stadtteil darstellt.

Insgesamt stellen wir fest, dass der Tourismus in Esens nicht mit den anderen Orten ringsum mithalten kann. Solange die schon seit vielen Jahren erfolglosen Protagonisten das Sagen haben und mit ihrer falschen selbstherrlichen Philosophie die Fäden weiter in der Hand halten, wird das „Dickschiff“ nicht in Fahrt kommen, eher noch gegenüber den anderen zurückfallen.

Wer mit den großen Hunden pinkeln gehen will, muss auch das Bein heben können.