28. Juli 2017

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Diesen Satz liest man zu Hauf, wenn man sich im Internet nach Arbeitsplätzen in der Hotellerie und der Gastronomie in Urlaubsdestinationen sucht. Für diesen Bereich ist dies völlig verständlich, geht es dort doch um das Überleben der betroffenen Betriebe und deren Mitarbeiter, also um das eigene Geld. Den meisten Beschäftigten in dieser Branche könne dann eben nicht in Zeiten Urlaub machen, in denen andere die Ferien genießen. Im Gegenteil. Sie müssen sogar für diese da sein und ihnen das Urlaubsvergnügen so schön wie möglich gestalten. Wenige können sich einen Stellvertreter leisten, mit dem man sich für kurze Auszeiten arrangieren kann. Das gilt für alle Regionen, in denen der Haupterwerbszweig der Tourismus ist. Nicht so für Rat und Verwaltung der Stadt Esens.                                           

Beim Rat der Stadt geht man schon immer davon aus, dass Urlaubszeit selbstverständlich Urlaubszeit ist. Hätte die Stadt keine Probleme, wäre das grundsätzlich in Ordnung, wenn auch nicht solidarisch mit o.g. Personen. Doch auch dann sollte sich diese Zeit in Grenzen halten, zumal es klare Vertreterregelungen gibt. Aber weit gefehlt. Die letzte Sitzung des Rates erfolgte am 19.06.2017 und die erste Sitzung des Verwaltungsausschusses ist für den 14.08.2017 geplant. Das ist ein Zeitraum von zwei (!) Monaten, indem in Esens die Politik ruht und die drängenden Probleme warten müssen. Wenn man auch noch andere Auszeiten des Esenser Rates dazu nimmt, spielt sich die Stadtpolitik in einem Zeitraum von nur sieben bis acht Monaten ab. Im Widerspruch dazu hat man, gerade wegen der Probleme, die satzungsmäßige Anzahl der Fraktionssitzungen drastisch erhöht, die nun in diese Monate gepresst werden müssen. Diesen Umstand versüßt man sich jedoch mit einer Erhöhung der Sitzungsgelder um ca. 25%.

Und wie sieht es in der Verwaltung aus? Die beiden einzigen Verwaltungspersonen der Stadt sind, sieht man einmal vom Stadtmanager ab, der Stadtdirektor und sein Stellvertreter, beide im Ehrenamt. Hauptamtlich sind sie bei der Samtgemeinde tätig. Auch diese beiden haben sicherlich Urlaub verdient. Aber muss das gerade in der Hochzeit des Tourismus sein? Auch hier gilt die Frage: Ist das solidarisch mit denen, die aus o. g. Gründen nicht Urlaub machen können? Und auch hier müssen die Probleme warten, trotz Vertreter. Liest man im Harlinger, dass der stellv. Stadtdirektor (als ständiger Vertreter immer im Amt) erklärt, dass er nicht weiß, was Sache ist (siehe Entlastungsstraße: „ kann ich nicht kommentieren, ich war nicht dabei.“), zeigt er, dass er entgegen seiner verfassungsgemäßen Aufgabe, lediglich als ein unverbindlicher Platzhalter fungiert und auf die Rückkehr seines Chefs wartet.

Das Verhalten in Rat und Stadtverwaltung entspricht nicht der verfassungsmäßigen Forderung nach Kontinuität. Jeder betroffene Amts- u. Mandatsträger muss im Vertretungsfall in der Lage sein, jederzeit die anfallenden Aufgaben und Geschäfte zu übernehmen. Aus diesem Grund werden bei der Konstituierung des Rates die Stellvertreter persönlich benannt bzw. gewählt.

Dies in Esens wieder in geordnete Bahnen zu lenken, hat uns der Stadtdirektor versprochen, als er unsere Unterstützung für seine Wahl erbeten hat. Leider hat er nicht Wort gehalten. Er hat sich einem Gemisch aus Eitelkeit, Missgunst, fehlendem Sachverstand und Machtgehabe, gepaart mit einer krankhaften Selbstüberschätzung einer Ratsmehrheit untergeordnet, die in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat, wie sie mit anders Denkenden umgeht.